Ein Mensch baut sich ein dichtes Haus, macht abends die Tür zu, legt sich in ein Zimmer mit 14 Quadratmetern und atmet acht Stunden lang in die Kiste. Morgens ist er müde und kauft Magnesium.
Kurz gesagt: Draußen hat die Luft 420 ppm CO₂. Über 1.000 nennt das Umweltbundesamt sie auffällig, über 2.000 inakzeptabel. Ein geschlossenes Schlafzimmer ist vor Mitternacht drüber, weil du die einzige Quelle bist und nichts das Gas wegträgt. Die Reparatur ist eine Türklinke. Sie war die ganze Zeit da.
Du bist die Quelle
Ein Erwachsener atmet im Schlaf 15 bis 20 Liter CO₂ pro Stunde aus. Zwei Erwachsene, ein kleines Zimmer, dichte Fenster, Tür zu. Das ist keine Wohnung. Das ist eine Flasche mit zwei Leuten drin, und die Leute füllen die Flasche.
Das Haus ist dicht, weil der Energieberater das so wollte. Für die Heizkosten stimmt es auch. Die Ritzen, durch die alte Häuser nebenbei gelüftet haben, sind weg. Also lüftet niemand, außer du. Und du schläfst.
Welche Werte gelten
Die 1.000 ppm hat sich kein Schlafcoach ausgedacht. Max von Pettenkofer hat den Wert 1858 vorgeschlagen [1]. Ohne Sensor. Er hat Leute in Räume gesetzt und geguckt. Das Umweltbundesamt hat 2008 drei Stufen daraus gemacht [2]:
| CO₂-Konzentration | Bewertung | Empfehlung |
|---|---|---|
| unter 1.000 ppm | hygienisch unbedenklich | keine Maßnahme nötig |
| 1.000 bis 2.000 ppm | hygienisch auffällig | Lüften, Lüftungsverhalten prüfen |
| über 2.000 ppm | hygienisch inakzeptabel | Lüften, weitere Maßnahmen prüfen |
Das gilt für Büros und Schulen. Für das Zimmer, in dem du länger bist als in jedem Büro, gilt nichts. Es gibt keine Vorschrift fürs Schlafzimmer. Es gibt nur dich, und du bist bewusstlos.
Was die Studien sagen
Entscheidungen. Satish und Kollegen haben 2012 Leute bei 600, 1.000 und 2.500 ppm in einen Raum gesetzt und Entscheidungsaufgaben lösen lassen. Bei 1.000 ppm ging die Leistung messbar runter, bei 2.500 deutlich [3]. Alles andere war gleich. Nur das Gas, das du gerade ausatmest.
Denken. Die Harvard-Gruppe um Allen hat 2016 Büroleute mehrere Tage lang unter verschiedener Luft getestet. Bei 1.400 ppm lagen die Testwerte rund 50 Prozent unter dem gut belüfteten Tag [4]. 1.400 ppm hat dein Schlafzimmer um zwei Uhr nachts. Um sieben Uhr triffst du dann deine erste Entscheidung des Tages, und sie heißt Schlummern.
Schlaf. Strøm-Tejsen und Kollegen haben Studenten in ihren eigenen Zimmern schlafen lassen, eine Woche Fenster zu, eine Woche Fenster auf. Zu: im Schnitt 2.395 ppm. Auf: 835 ppm. Mit offenem Fenster schliefen sie messbar ruhiger, wachten seltener auf und dachten am nächsten Tag besser [5].
Markierung: Grenzwert 1.000 ppm
Normale Zimmer, normale Fenster, eine Person [5]. Du bist zu zweit und hast die Tür zu. Rechne.
Was du heute Nacht tun kannst
- Tür auf. Doppelt so viel Luft. Kostet nichts. Kein Code, kein Abo, kein Spray.
- Fenster kipp. Auch im Winter. Der Wärmeverlust ist kleiner, als deine Heizkostenabrechnung dir einredet.
- Vor dem Schlafen fünf Minuten weit auf. Du startest bei 420 statt bei 900. Nebenbei geht die Feuchte mit raus.
- Lüftungsanlage prüfen, falls vorhanden. Filter tauschen, nachsehen, wie viel Luft im Schlafzimmer ankommt. Viele Anlagen sind fürs Wohnzimmer gebaut. Das Schlafzimmer kriegt, was übrig ist.
- Messen. Ein CO₂-Gerät mit NDIR-Sensor kostet weniger als eine Matratzenauflage und sagt dir jeden Morgen, ob du gerade in einer Flasche geschlafen hast.
Wenn du nicht raten willst
Wir haben dein Schlafzimmer nicht gemessen. Du auch nicht. Ob du morgens bei 900 oder 2.400 ppm liegst, entscheiden Tür, Fenster, Raumgröße und die Zahl der Lungen im Bett. Fühlen kann man das nicht. Man kann es nur messen oder ignorieren, und bisher hast du dich für ignorieren entschieden.
Fragen? Schreib uns. Du willst wissen, wo dein Raum steht? Buch ein Audit. Bis dahin: Tür auf. Das ist der ganze Trick.